Tag der Bundeswehr - Jagel


(by Richie Becke)

 

 

Der Tag der Bundeswehr fand 2019 zum fünften Mal an 14 Standorten im Bundesgebiet statt. Zum ersten Mal auf dem nördlichsten Fliegerhorst in Deutschland, in Schleswig/Jagel.  Jagel - in der Gemeinde der Luftfahrtbegeisterten eine feste Größe und eine ebensolcher Begriff. Heimat des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“.  Das TLG51 „I“ ist eine besondere Einheit in Gefüge der Bundeswehr. Es ist ein Geschwader, welches zwei Flugzeugmuster einsetzt. Zum Einen die langgedienten Tornados zum Anderen die Drohnen vom Typ Heron 1.  Am 15. Juni 2019 gab es dann mehrfach Grund zum Feiern. Zunächst feierte der Verband sein silbernes Jubiläum an diesem Standort.  Am 1. Januar 1994 wurde das Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ (AG 51)nach einer Strukturentscheidung aus der Umstrukturierung des AG51 aus Bremgarten, dem AG52 aus Leck und dem Jagdbombergeschwader 32 „Allgäu“ (JaboG 32) am ehemaligen Standort des Marinefliegergeschwader 1 (MFG 1) in Dienst gestellt.  Schon ein Jahr nach seiner Aufstellung nahm der Verband an den ersten Auslandseinsätzen über dem ehemaligen Jugoslawien teil.  Seit dem sind die Soldaten als Angehörige des einzigen Aufklärungsgeschwaders der Luftwaffe sehr oft an Auslandseinsätzen beteiligt. Ihre Fähigkeiten und ihre Ausrüstung machen die „Immelmänner und –frauen“ einzigartig in der Bundeswehr.

 

 

 

 

 

 

2013 wurde das AG 51 in TLG 51 umbenannt. Der Auftrag des nunmehr Taktischen Luftwaffengeschwaders blieb erhalten.  2010 wurde das Waffensystem Heron 1 als Ersatz für einen Teil der Tornados eingeführt.

 

 

 

Aktuell befindet sich das Personal in drei Auslandseinsätzen:

 

- Seit 2007 Einsatz ISAF/Resolute Support in Afghanistan.

 

- Seit 2017 Einsatz im Rahmen der Operation Counter DAESH über Syrien und dem Irak. Stationierungsort ist Jordanien.

 

- UN-Mission MINUSMA in Mali, wo die Heron 1 zum Einsatz kommt.

 

 

 

Zu den Einsatzaufgaben kommt noch seit 2017 eine Ausbildungskomponente. Auf dem Platz findet die Waffensystemausbildung auf dem Tornado statt, nachdem die Ausbildung in der Wüste von New Mexiko, USA eingestellt wurde. Der Tag der Bundeswehr unter dem Motto „Willkommen Neugier“ dient der Öffentlichkeitsarbeit unserer Streitkräfte. Immer wieder hört man von schwindender Akzeptanz der Truppe in der Bevölkerung insbesondere nach Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht in 2011. Sicherlich ist es ein Ziel neues Personal zu rekrutieren, in dem man sich vorstellt und über die Arbeitsbereiche und den allgemeinen Dienst informiert.  Als einer der großen Arbeitgeber in Deutschland bietet die Einführung des Tages der Bundeswehr (TdBw) eine gute Möglichkeit gerade das zu erfüllen. Nur selten bekommt die Bevölkerung Gelegenheit so intensiv mit „ihren“ Soldaten in Kontakt zu kommen, zumal auch die anderen Teilstreitkräfte auf dem Fliegerhorst der Luftwaffe ausgestellt haben. So bestritten die Heeresflieger einen Teil der Flugvorführungen und gepanzerte und ungepanzerte Fahrzeuge des Heeres wurde vorgeführt bzw. konnten besichtigt werden.

 

 

 

Zu guter Letzt durfte auch die gute, alte Erbsensuppe aus der Feldküche nicht fehlen. Geboten wurde viel. Alle Bereiche des Geschwaders wurden intensiv, kompetent und freundlich vorgestellt. Am Vormittag und am Nachmittag wurde ein Flugprogramm geboten, was den Wetterbedingungen und den Regularien unterworfen war. Starts und Überflüge von Tornados, das Solo-Display eines Eurofighters, das Display eines CH53 der Heeresflieger, das Display eines A400M und die Demonstration einer simulierten Rettung zweier abgestürzter Piloten wurden geboten, bei der eine Sikorsky CH53 und ein Hubschrauber Airbus H145M zusammenwirkten.  Zudem zeigten Piloten ferngesteuerter Flugzeugmodelle ihr Können. Die Austellung der Luftfahrzeuge wurde durch viele Einsatzmuster der Luftwaffe dargestellt. Hinzu kamen NATO-Partner, die ein Flugzeug entsandt hatten. So schickte die ungarische Luftwaffe eine JAS-39 Gripen, die tschechische Luftwaffe eien L159 Alca und die italienische Luftwaffe einen ihrer Tornados.  Alles zusammen diente einem Zweck, der noch vor der Nachwuchsgewinnung steht, der Steigerung der Akzeptanz der eigenen Streitkräfte im Land. Das Ansehen der Bundeswehr hat in der letzten Zeit hat sicherlich durch einige Vorfälle gelitten.  Das Engagement des einzelnen Soldaten auf seinem Posten für den Auftrag, den er zu erfüllen hat, ist aber dennoch zweifelsfrei hoch und hat sicherlich viele Besucher beeindruckt. So sei hier abschließend dem Geschwader, dem Projektteam „TdBw“ und allen anderen Beteiligten gedankt für eine erstklassige Organisation und Durchführung des TdBw in Jagel 2019. Die Neugier war willkommen, sie wurde befriedigt.

 

 

 

 

 

 

 

Ein weiterer Grund für eine Feier bot das 70. Jubiläum der Durchführung der Berliner Luftbrücke am 13.Juni 2019, zwei Tage vor dem Tag der Bundeswehr.

 

 

 

Vom 23. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 blockierte die sowjetische Militärverwaltung den Verkehr aller Güter- und Personentransporte von und nach Berlin als zunächst als Reaktion auf die in den westlichen Besatzungszonen durchgeführte Währungsreform, der Einführung der D-Mark. Der amerikanische Militärgouverneur General Lucius D. Clay war ein Befürworter des Verbleibs in Berlin. Als Alternative hätte die Preisgabe Berlin an die Sowjetische Siegermacht.  Weil die westlichen Alliierten den garantierten Zugang durch Luftkorridore hatten, war eine Versorgung aus der Luft möglich. Die britische Besatzung startete vor den Amerikanern die Versorgung der eigenen Truppen in Berlin aus der Luft nach einer sog. Kleinen Blockade im Frühjahr 1948. Planungen für die Versorgung der Truppen und der Zivilbevölkerung von Berlin im Falle einer neuerlichen Blockade wurden angestellt. Man begrüßte in Kreisen der Briten das Zusammenwirken und dehnte die Anstrengungen unter der Leitung von General William H. Tunner aus.

 

 

 

General Clay befahl am 25. Juni die Luftbrücke, die am nächsten Tag unter dem Namen Operation Vittles (engl. Verpflegung) mit dem Start der ersten Maschine begann. Die Briten starteten die ersten Maschinen zwei Tage später und dem Namen Operation Plain Fare (engl. Hausmannskost).  Die fast unermessliche Anstrengung, die präzise Planung und mutige Ausführung der Operationen umfassen zahllose Informationen und sind verbunden mit ergreifenden Geschichten menschlicher Schicksale am Beginn des Kalten Krieges.  All diesen Momenten sollte mit dem Flug einiger Douglas DC3 bzw. C-47 Dakotas gedacht werden. Aus der ganzen Welt wurden Maschinen und Piloten, Zeitzeugen und Freunde gesammelt, die für ein paar Tage im Jahre 2019 im vereinten Deutschland diesem Ereignis von 1948/49 Tribut zollten.

 

 

 

Luftfahrtbegeisterte aus vielen Teilen des Landes und der Welt kamen an verschiedenen Orten zusammen, um die Dakotas noch einmal in einer Formation fliegen zu sehen.  Nach Jagel kamen am 13. Juni 2019 acht Maschinen und boten ein unvergleichliches Bild am norddeutschen Himmel, der ehemaligen britischen Besatzungszone.  An Bord waren Besatzungen und Freunde und Zeitzeugen. Ihr Besuch wurde mit großem Interesse von den Medien und den Besuchern bedacht.  Nach ein paar wenigen Stunden ging der Flug der „Rosinenbomber“, wie sie seit der Luftbrücke genannt wurden weiter. Wider Gerüchten zufolge erreichten sie Berlin und flogen, wie vor 70 Jahren über diese nun nicht mehr in Besatzungszonen geteilte Stadt zum Gedenken deren, die sie durchgeführt haben und derer, die damals in Berlin geblieben sind.