Sayonara Phantom - Hyakuri Air Show 2019


 

 

Es gibt wenige Flugzeugtypen, die bei Luftfahrtbegeisterten Kuststatus erreichen. Eines dieser Muster in wohl ohne Zweifel die F-4 Phantom. Ihre Anfänge gehen auf das Jahr 1953 zurück, als man sich bei McDonnell Douglas an die Weiterentwicklung der F-3H Demon machte. Die Serienproduktion der F-4 Phantom begann 1961. Ihre Feuertaufe erlebte die Maschine im Vietnamkrieg, wo die frühen Versionen aber häufig in Schwierigkeiten gerieten, da sie über keine feste Bordkanone verfügten. Deshalb konnten sie im Nahkampf gegnerische Flugzeuge nicht abschießen. Dies änderte sich mit der Version F-4E. Sie verfügte über eine fest eingebaute M61 Vulcan-Kanone.

 

 

Diese Version wurde ab 1971 auch durch die Japanischen Streitkräfte verwendet. Zuerst in der Erprobung bei der heutigen ADTW auf der Testbasis Gifu-Kakamigahara. Wie so oft beim japanischen Militär wurde der Großteil, nämlich 127, in Lizenz gebaut. Da die japanische Nachkriegsverfassung einen Angriffskrieg verbietet und das japanische Militär einen reinen Verteidigungsauftrag hat, waren die Maschinen bei ihrer Einführung nicht zur Bekämpfung von Bodenzielen in der Lage. Dies änderte sich erst später mit dem Upgrade zur F-4EJ Kai. Diesem Programm wurden über 90 Maschinen unterzogen.

 

 

 

 

 

Erstaunlich ist die niedrige Verlustrate von nur 17 Maschinen bei einer Nutzungsdauer von bis heute 49 Jahren. Leider wird es kein goldenes Jubiläum mehr geben. Mit dem Ende des Fiskaljahres 2019/20, das in wenigen Wochen am 31. März endet werden auch die letzten verbliebenen Phantom außer Dienst gestellt. Aus diesem Grund entschlossen wir uns, den langen Weg nach Hyakuri noch einmal anzutreten und ihren letzten großen Auftritt auf der heimischen Air Show anzuschauen. Schnell stellten wir fest, dass wir mit dieser Idee nicht alleine waren. Also zapften wir alle Kanäle an, um uns von der Masse abzugrenzen.

 

 

Nach vielen Hürden und auf den letzten Drücker erhielten wir für den Air Show Tag die sehnlichst erwartete Presseeinladung am Tag vor dem Abflug nach Japan. Am Familientag wurden wir von einem Mitglied der Präfekturverwaltung eingeladen. Das sorgte für Entspannung. Als Quartier hatten wir uns für die schöne Stadt Mito entschieden. Sie liegt abseits der Touristenströme und man ist im richtigen Japan ohne Show oder Ähnliches. Das soll jetzt allerdings nicht heißen, dass Mito keinen Besuch wert ist.

 

 

 

 

 

In der Woche vor der Show ging es früh aus den Federn, denn gute Fotopunkte sind in Hyakuri rar und es waren viele ausländische Spotter dort. Auf eine Übernachtung im Auto bei -3 Grad, wie es viele andere machten, haben wir dann aber verzichtet. Am eigentlichen Showtag stürmten rund 300.000 Besucher das Gelände der Hyakuri Airbase. Vom Dach des Feuerwehrgebäudes, auf dem wir platziert wurden, sah es aus wie ein Ameisenhaufen. Ein interessantes Phänomen in Japan ist das Kommen und Gehen. Bis zur Vorführung der „Blue Impulse“ kommen die Leute, danach starten viele schon wieder die Heimfahrt.

 

 

 

by Richie Becke
by Richie Becke

 

 

Neben dem Eingang in der historischen Sammlung der Air Base befindet sich die Sonderlackierung zum 40jährigen Jubiläum der Phantom. An einem der Tanks befinden sich die Wappen aller Staffeln, welche die F-4 als Einsatzmuster verwendeten. Die erste Staffel war die 301 Hikotai mit dem Frosch (kaeru) im Heck. Die weiteren Staffeln waren die 302 Hikotai ojirowashi (Seeadler), 303 Hikotai „Dragons“, 304 Hikotai Tengu (Geist), 305 Hikotai „Plum Flowers“, 306 Hikotai inuwashi (Goldene Adler), 501 Hikotai „Woody Woodpecker“, 8 Hikotai „Panthers“ und die Teststaffel der ADTW in Gifu.

 


 

(all pics by Richie Becke)

 

 

 

Auch wenn die 301 Hikotai sich gern als „Phantoms Mother Squadron“ bezeichnet, so war die 302 Hikotai der tatsächlich erste Einsatzverband der JASDF, der mit der F-4 Einsatzbereitschaft meldete. In der Anfangszeit war die 301 Sqn. lediglich für die Ausbildung der Piloten zuständig. Wenn in wenigen Wochen die Lichter für die Phantom ausgehen, dann endet die Ära genau in dem Verband, indem sie vor fast 50 Jahren begonnen hat. Die 302 Hikotai wurde stellte bereits vor einem Jahr den Flugbetrieb mit der F-4 ein und wird derzeit auf der Air Base Misawa in der Präfektur Aomori mit der Lockheed F-35A neu aufgestellt. Alle anderen Staffeln haben schon vor Jahren auf die Boeing F-15J bzw. im Falle der 8 Hikotai auf die Mitsubishi F-2 umgestellt. Wie es mit der 501 Hikotai weitergehen wird, ist derzeit noch unklar. Hyakuri wird zukünftig die Heimat der 3 Hikotai „Samurais“ mit ihren F-2A/B. Platz für eine zweite Staffel wäre auf jeden Fall.