Fairford 2019


(by Richie Becke)

 

Das Royal International Air Tattoo, kurz RIAT genannt, gehört wohl zu den bekanntesten Veranstaltungen im Bereich Luftfahrt.

 

 

 

Thema der diesjährigen Veranstaltung war „Air and space, inspiring the new air force“ and das 70-jährige Jubiläum des NATO-Vertrages.

 

 

 

Seit vielen Jahren stellt das Organisationsteam eine Airshow der Superlative zusammen. Ein Team von ca. 60 Personen ist ständig damit beschäftigt, die Planung auf dem Laufenden zu halten, jede Kleinigkeit zu organisieren, zu koordinieren und letztendlich auch umzusetzen.

 

Hierbei bekommen sie Hilfe von Freiwilligen Mitarbeitern aus der ganzen Welt. Manche davon reisen schon früh an, um ihre Mithilfe zu leisten. Unterstützt wird das RIAT zu einem nicht unerheblichen Anteil von der Royal Air Force, deren Plattform das RIAT unter anderem darstellt und einer schier unüberschaubaren Anzahl von jungen Menschen, den Royal Air Force Cadets.

 

 

 

Mir war es vergönnt, während des RAIT2019 hinter die Kulissen der Airshow zu blicken. Zusammen mit Erfahrungen von zwei Besuchen in der Vergangenheit, ergab sich das Bild einer professionellen Großveranstaltung, die dennoch geprägt ist von Enthusiasmus, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

 

 

 

Mit der Vorbereitung für die Airshow 2019 wurde an dem Tag begonnen, an dem die Veranstaltung 2018 geendet hatte, alle Flugzeuge das Airfield verlassen hatten, die Aussteller abgezogen waren und alles gesäubert worden war. Das Ganze dauert ungefähr ein bis zwei Wochen, wie man mir sagte.

 

Die Aufräum- und Säuberungsarbeiten beginnen schon am sog. Departure Day, an dem Montag nach der Veranstaltung, wenn die Gastmaschinen, ihre Bodencrews und jegliche Unterstützung abreisen.

 

Kaum ist ein Stellplatz geräumt, ein Zelt abgebaut, erscheinen nützliche Helfer, wie die Air Cadets und suchen die Hinterlassenschaften der Besucher und der Teilnehmer per Hand auf. In Linien-Formation unter der Führung ihrer Ausbilder durchkämmen die Cadets den gesamten Show Ground. Ein Beispiel an Disziplin und Effektivität. Will man ja FOD (Foreign Objekt Damage) vermeiden. Kehrmaschinen kümmern sich um die Taxiways und alle anderen Flächen im Flugbetriebsbereich.

 

 

 

Es erscheint merkwürdig, am Ende anzufangen. Aber das machte für mich Sinn, weil ich von den Vorbereitungen bis zum Beginn der Airshow nicht viel mitbekam.

 

 

Alles was am Ende beseitigt wurde, mußte zuvor auch mit ähnlicher Anstrengung arrangiert und aufgebaut werden.

 

Hierzu gibt es einen festgelegten Plan. Der Show Ground und alle anderen Betriebsflächen sind farblich markiert bzw. haben entsprechende Codenamen.

 

 

 

 

 

 

 

Ein Beispiel: Die kleine Armada von Follow-Me-Fahrern mit ihren deutlich gekennzeichneten Fahrzeugen wissen genau, wohin sie die gerade gelandete Maschine geleiten sollen, wenn es dann heißen sollte, „Die C-130 aus Pakistan soll nach Pink gebracht werden“. In Pink übernehmen dann die Einweiser die Maschine und stellen sie ab.

 

 

 

An den Ankunftstagen, den sog. Arrival Days, wird alles erst einmal so aufgestellt und platziert, daß die Ground Crews am Abend oder in der Nacht alle Flugzeuge so aufstellen können, wie es im Plan für das Static Display vorgesehen ist.

 

 

 

Der Leiter des Static Display Team teilte mir auf Nachfrage mit, man überlege sich sehr wohl, wie die Maschinen gruppiert bzw. ausgestellt würden, auch damit das Publikum und darunter die vielen Fotografen, das Beste aus der Präsentation machen können.

 

Sicherlich sind dem Ganzen auch Grenzen gesetzt, denn der Platz ist letztendlich begrenzt und jeder Besucher hat eigene Erwartungen.

 

 

 

Die Flugzeuge, die am Flying Display teilnehmen, werden vorrangig nördlich der Startbahn geparkt. Besondere Highlights der Show werden aber auch südlich der Startbahn angrenzend an den Show Ground geparkt, wo sie von den Besuchern auch während der Startvorbereitungen beobachtet werden können.

 

So sind die Red Arrows immer nahe dem Publikum aufgestellt. In diesem Jahr waren zudem noch zwei Mig-21 aus Rumänien, die T-6A des Dädalus Teams aus Griechenland und zwei AV-8B+ der Armada, den spanischen Marinefliegern, dort platziert.

 

 

 

Sind die Maschinen und deren Begleitpersonal angereist, erfolgt eine Registrierung und ein durchdachtes Procedere.

 

Im sog. Crew Center wird jeder mit den nötigen Informationen und der Unterstützung versorgt, die erforderlich ist, um einen angenehmen und reibungslosen Aufenthalt und Showverlauf zu garantieren.

 

So wurden im Vorfeld Unterkünfte gebucht, welche mit eigenen Shuttlebussen angefahren werden, für das Catering vor Ort ist gesorgt. Auch auf die ganz persönlichen Wünsche und Bedürfnisse der Crews ist man bestens vorbereitet.

 

Das Crew Center ist Anlaufpunkt für alle Teilnehmer mit ihren Fragen. Es ist zudem ein Platz der Begegnung und es wird natürlich Tee gereicht.

 

 

 

Ein interner Fahrdienst, kümmert sich um die Teilnehmer, bringt sie zu ihren Flugzeugen oder dorthin, wo sie hinwollen.

 

 

 

Die Fliegenden Besatzungen werden mit Wetterdaten, ihren Flugzeiten und allem Erforderlichem versorgt.

 

Jedes Display muß von der Flugleitung vor der eigentlichen Show abgenommen werden. Das geschieht an den Arrival Days.

 

 

 

Dem Tower Team obliegt die Sicherheit im Flugbetriebsbereich, es wacht mit Argusaugen über die Einhaltung aller Regeln und Anweisungen.

 

 

 

 

 

 

Später, während der Show gibt es einen Schiedsrichterstab, der verschiedenes bewertet, wie z.B. das beste Flying Display, die beste Bemalung, den besten Stand der einzelnen Teilnehmer usw.

 

Letztendlich endet diese Beurteilung in einer großen Preisverleihung am letzten Tag der Show.

 

 

 

Buslinien sind eingerichtet, welche den Besuchern die Wege auf dem doch riesigen Show Ground verkürzen sollen.

 

 

 

Während der Show und über Nacht wacht eigens bereitgestelltes Wachpersonal über die abgestellten Maschinen und das Material aller Teilnehmer.

 

 

 

Die Polizei und die örtliche Straßenmeisterei übernehmen die umfangreiche Verkehrsregelung.

 

 

 

Jeder der Teilnehmer wird vor Betreten des Show Ground einer militärpolizeilichen Kontrolle unterzogen, diese ist großzügig organisiert und eingespielt, so daß sich keine großen Wartezeiten ergeben.

 

 

 

Der britische Zoll kümmert sich um die Einreise- und Ausreiseformalitäten der Teilnehmer, hierzu wird eine mobile Wache errichtet oder die Kräfte fahren zu den angekommenen Flugzeugen, um auch diese in Augenschein zu nehmen oder einen Spürhund einzusetzen.

 

 

 

Die Flughafenfeuerwehr. Die der amerikanischen Luftwaffe untersteht, ist ständig präsent und sorgt in ihrem Bereich für die Sicherheit. Sie wird von britischen Kräften unterstützt.

 

Nur nebenbei anzumerken, man serviert in der Feuerwache einen sehr guten Kaffee.

 

 

 

Während des eigentlichen Events ist man im Organisationsteam relativ entspannt. Natürlich ergeben sich immer Probleme, die aber mit britischer Gelassenheit und Höflichkeit geregelt werden.

 

 

 

Das eigene Fotografenteam begleitet die Airshow und arbeitet der PR-Abteilung zu.

 

 

 

Sicherlich habe ich noch viele Aspekte von Fairford2019 vergessen, was nicht absichtlich geschehen ist.

 

Ich möchte noch die Sanitäter und anderen Hilfskräfte erwähnen, die ständig patrouillieren, um Hilfe zu leisten.

 

 

 

Die Airshow selbst war, wie immer. Das soll nicht despektierlich klingen, es fand ein Event auf hohem Niveau statt über das an anderer Stelle nachgelesen werden kann.

 

 

 

Zu erwähnen ist vielleicht dennoch, der Abbruch der Flugvorführung des Viper Demo Teams. Das rechte Höhenleitwerk der F-16 verlor bei einem Überflug Teile. Der Pilot konnte nach einem Überflug zur optischen Kontrolle auf Beschädigungen vom Boden aus, sicher landen.

 

 

 

 

 

Das Viper Demo Team bedient sich für seine Vorführung Maschinen nahegelegener Standorte. So kamen die beiden eingesetzten Flugzeuge vom der Spangdahlem Airbase in Deutschland.

 

Ich habe mit vielen Beteiligten aus vielen Bereichen gesprochen, ebenso mit einigen Besuchern, die aus besonderem Luftfahrtinteresse gekommen waren und das schon seit Jahren immer wieder tun.

 

 

 

Man gab mir zu verstehen, die Show als Ganzes habe sich mit den Jahren verbessert, was die Organisation anbelangt, ohne Zweifel.

 

 

 

Besucher kritisierten den hohen Eintrittspreis, was nachzuvollziehen ist. Zudem kommt, daß ein großer Teil des sog. Crowdline durch professionelle Anbieter besetzt ist, die dann noch höhere Preise verlangen, weil sie u. U. erhöhte Sitzplätze anbieten.

 

Für den ganz normalen Besucher bleibt dann nicht mehr viel übrig, obwohl dieser eine ebensolche Begeisterung empfindet, wie derjenige, der sich die hohen Kosten leisten kann.

 

 

 

Den Inhalt der Show, das Programm und die teilnehmenden Gäste sind jedes Jahr wieder eine Überraschung. Es gibt sicherlich eine Beständigkeit, was die Kunstflugstaffeln anbetrifft. Die Typenvielfalt läßt nach und letztendlich ist man als Veranstalter auf die Bereitschaft der Eingeladenen angewiesen.

 

Ein Phänomen in Fairford ist das Wetter, welches es nicht Jedem recht machen kann, weil es sich hier um das berühmte britische Wetter handelt.

 

 

 

Es wurden Planungen laut, die besagen, Fairford Airbase wird dem Schließen der USAF Base Mildenhall wieder eine aktive amerikanische Airbase werden.

 

In Fairford werden jedes Jahr temporär strategische Bomber, wie B-1B, B-2A und B-52H und andere Flugzeuge der Amerikaner stationiert.

 

Man sagte mir, dieser Umstand würde sich nicht auf das Stattfinden des RIAT haben. Die amerikanische Seite hätte die Bereitschaft bekundet, die Airshow auch in Zukunft auf der dann aktiven Airbase stattfinden zu lassen.

 

Inwieweit amerikanische Sicherheitsstandards und Regularien das Erscheinungsbild des Events beeinflussen, muß abgewartet werden.

 

Da die Aktivierung zeitnah erfolgen soll, dürfen alle Luftfahrtenthusiasten schon sehr gespannt sein.

 

 

 

2020 dann wird erstmal das 50-jährige Bestehen der Veranstaltung gefeiert. Auch hier ist die Spannung groß, welche Höhepunkte sich das Management einfallen lassen wird.

 

 

 

Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für ihre Hilfsbereitschaft und ihre Unterstützung.

 

Das RIAT so erleben zu dürfen, war für mich außergewöhnlich.

 

 

 

 

 

 

 

Zu Guter Letzt:

 

 

 

Als Lokalpatriot möchte ich anmerken, den Preis für die beste Sonderbemalung errang das TLG71 „Richthofen“ aus Wittmund mit seinem Eurofighter mit der neuen Bemalung „The Richthofen Spirit“.