Zhuhai International Air Show


Xian H-6K der PLAAF
Xian H-6K der PLAAF

 

 

 

Jedes zweite Jahr findet im Süden Chinas auf dem Flughafen von Zhuhai eine große Airshow statt. Neben einigen internationalen Produkten findet man vor allem Flugzeuge aus chinesischer Produktion auf der Ausstellungsfläche. Auch wenn insgesamt wenig geflogen wird, ist die Show interessant. Es ist praktisch die einzige Möglichkeit legal an Bilder chinesischer Militärflugzeuge  zu gelangen. Gezeigt wird alles, von der 50 Jahre alten Nanchang Q-5 bis zum neuesten Modell, der J-20. Letztere allerdings nur im Flug und an zwei Tagen.

 

 

 

Rückwirkend betrachtet war die Reise ins Reich der Mitte schon ein Abenteuer. Dieses beginnt bereits in Deutschland mit der Beantragung der Pressevisa. Die Kommunikation mit der Botschaft in Berlin klappt nur über eine Agentur und selbst diese wird von Tag zu Tag hingehalten. Mal fehlt ein Schreiben aus Peking, mal ist der Verantwortliche nicht erreichbar. Endlich startete die Reise. Wir flogen nicht direkt nach China, sondern waren vorher und hinterher in Japan. Die Anreise erfolgte über den kleinen Flughafen von Macao, da beide Städte praktisch nebeneinander liegen.

 

 

 

Der Grenzübergang ist ein riesiges Gebäude, indem man ich einfach mit den Massen treiben lässt. Einmal auf der anderen Seite, standen wir erst mal recht hilflos da. Kein Taxistand, kein Hinweisschild, kein Garnichts. Also auf zum nächsten Hotel, vielleicht kann man uns ja dort helfen. Unser Taxi von der Größe eines VW Golf war mit drei Personen inklusive Gepäck fast überfordert. Die rund 30 Kilometer zu unserem Hotel dauerten fast eine Stunde, ein Vorgeschmack auf das Programm der folgenden Tage. Das Hotel war einfach aber es lag gegenüber einer Mall, so war die Versorgung gesichert.

 

 

 

Am nächsten Tag ging’s dann in aller Frühe auf zum Showground:

 

 

 

Guizhou JL-9 / FTC-2000G

 

 

 

Dieser doppelsitzige Jettrainer basiert auf dem Kampfflugzeug J-7 und damit auf der sowjetischen MiG-21. Sie wurde für die Ausbildung der Jetpiloten in Luftwaffe und Marine der chinesischen Volksbefreiungsarmee angeschafft. In der Exportvariante FTC-2000G, welche in diesem Jahr in Zhuhai gezeigt wurde, ist sie eher Kampfflugzeug, als Trainer. Äußerlich unterscheidet sich die J-9 von ihrem Ursprungsmuster der JJ-7 durch eine veränderte Bugsektion. Insbesondere wurden die Lufteinlässe verändert, um Platz für ein Dopplerradar zu schaffen.

 

 

 

Auch die Tragflächengeometrie unterscheidet sich von der der MiG und macht das Flugzeug einfacher zu fliegen. Unter den Tragflächen befinden sich je zwei Aufhängepunkte für Lenkwaffen, Freifallbomben oder Behälter für ungelenkte 57mm-Raketen. Im Rumpf ist eine doppelläufige 23mm-Kanone mit 300 Schuss Munition fest verbaut. Bisher einziger ausländischer Kunde für das recht preiswerte Flugzeug ist die Luftwaffe des Sudan, die sechs Maschinen des Typs besitzt. Innerhalb der chinesischen Streitkräfte konkurriert die JL-9 mit der Hongdu L-15, die weitestgehend auf der Yak-130 basiert.

 

 

 

COMAC ARJ-21

 

 

China entwickelt nicht nur Militärflugzeuge, sondern auch Linienjets. Eines dieser Flugzeuge ist der ARJ 21 von COMAC. Dabei handelt es sich um einen Regionaljet der in der Variante -700 zwischen 70 und 80 Passagieren transportieren kann. Damit befindet sie sich im gleichen Marktsegment, wie der Bombardier CRJ 700 oder auch der Sukhoi Superjet. Dabei ist die ARJ 21 eine bunte Mischung verschiedener Technologien. Der Rumpf erinnert nicht zur zufällig an die MD-90 von McDonnell Douglas. Seine Form wurde nach Auslaufen der Lizenzproduktion beibehalten. Die Triebwerke stammen von GE und die neuen Tragflächen mit Winglets wurden in Zusammenarbeit mit Antonov entwickelt. Die Avionik stammt von Rockwell Collins und das Fahrwerk liefert die deutsche Firma Liebherr.

 

Derzeit liegen dem Hersteller 2015 Bestellungen vor, darunter auch Lao Airlines und Myanmar National, die beide jeweils zwei Exemplare geordert haben. Erstkunde war  Chengdu Air, die schon einige Exemplare der ARJ-21 betreibt. Auf der Messe wurden auch die ersten Exemplare an Ghengis Khan Airlines und Urmqi Air übergeben. Bei einem maximalen Abfluggewicht von rund 43 to fliegt die ARJ 21-700 rund 2200 Kilometer weit. Das CF-34-10A ist das stärkste Triebwerk der CF-34-Baureihe, die u.a. auch an der Embraer 190/195, allen Mustern der CRJ-Reihe und militärisch als TF-34 an der A-10 Thunderbolt zum Einsatz kommt.

 

 

Internationale Exponate

 

 

Die Show in Zhuhai ist eine der größten der Welt und verdeutlicht Chinas Rolle nicht nur als Produzent, sondern auch als Kunde. Chinesische Airlines gehören zu den größten der Welt. Die Zahl der Millionäre und Milliardäre steigt ständig. Somit steigt auch die Zahl potenzieller Kunden für Privatjets und Sportflugzeuge. Somit waren alle namenhaften Hersteller von Flugzeugen verschiedener Größe und Ausrichtung vor Ort. Boeing und Airbus hatten zwar keine Maschinen auf dem Ausstellungsgelände, waren jedoch in den Hallen präsent.

 

Aus dem deutschprachigen Raum waren die RUAG, Diamond Aircraft und die Firma Extra mit Flugzeugen nach China gekommen. Dabei präsentierte Diamond die Möglichkeit seine Flugzeuge auch militärisch zu nutzen. Die RUAG, welche eine Dornier Do-228NG ausstellte, erhofft sich Aufträge in der Region mit ihren kleinen oft unbefestigten Pisten. Ein Gebiet das wie geschaffen ist für die Dornier. Für die Luftfahrtbranche ist Südostasien und China der Wachstumsmarkt schlechthin. Während überall sonst auf der Welt die Karten gemischt sind oder durch instabile politische Systeme, wie in Afrika, Wachstum behindert wird, kann man in dieser Region gutes Geld verdienen.

 

 

Displayteams

 

 

 

Auch wenn der Flughafen von Zhuhai nicht groß ist, so hat er über den Tag eine beachtliche Zahl an Flugbewegungen zu bewältigen. Dies macht ein ausgedehntes Flugprogramm nahezu unmöglich. Insofern beschränkten sich die Vorführungen am Himmel auf das Notwendigste. Ein Highlight ist der J-20, den wir aber aufgrund ungünstiger Planungen verpassten. Das Solodisplay der J-10 fiel einem technischen Fehler zum Opfer. So blieben für uns noch der JF-17, die Y-20, die ATR-42 und die Chinesischen Displayteams " 1st October" und "Red Falcons".

 

 

 

Die J-10 des "1st October"-Teams hatten wir ja schon vor drei Jahren auf Langkawi gesehen. Zwischenzeitlich hatte es einen Unfall gegeben und die erste weibliche Pilotin auf dem Flugzeugtyp, Captain Yu Xu, wurde dabei getötet. Dazu muss man wissen, dass sie in China wie ein Popstar verehrt wurde und ihr Tod ein Ereignis von nationaler Bedeutung war. Die Formation aus sechs Kampfflugzeugen ist sehr elegant und im Vergleich zu westlichen Displayteams wird deutlich langsamer geflogen.

 

 

 

Über das zweite Team, die "Red Falcon´s" ist nicht viel bekannt. Sie fliegen acht Maschinen vom Typ Hongdu JL-8 in einem bunten Farbmuster. Das Team wurde erst 2011 aufgestellt. Die Piloten sind Fluglehrer der 3. Flight Academy in Jinzhou-Xialoingzi aus der Shenyang Military Region. Das Display besteht eher aus großen Formationen und weniger aus Solovorführungen.